
Schwere Schäden für Herz und Psyche
Die Einnahme anaboler Substanzen greift massiv in den Hormonhaushalt ein. Das wirkt sich negativ auf zahlreiche
Organe aus. Der Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System ist hier besonders ausgeprägt: Das Risiko für Bluthochdruck,
Fettstoffwechselstörungen, Erkrankungen des Herzmuskels oder einen plötzlichen Herztod steigt. Auch die
Blutgerinnung kann gestört sein.
„Anabolika wirken nicht gezielt auf einzelne Muskeln, sondern auf den gesamten Organismus“, erklärt Diederich. „Daher sind auch andere Organsysteme wie Leber, Nieren oder das Reproduktionssystem betroffen. Das ganze Hormonsystem gerät aus dem Gleichgewicht, das auch nach dem Absetzen der Substanzen teilweise nur schwer wiederhergestellt werden kann.“
Die hormonellen Veränderungen können zum Beispiel zu einer Brustdrüsenvergrößerung führen und die Fruchtbarkeit einschränken. Psychische Veränderungen sind ebenfalls häufig. Betroffene berichten über Stimmungsschwankungen, depressive Episoden, Angst oder gesteigerte Aggressivität. Nicht selten entwickeln sich Abhängigkeiten von Anabolika oder weiteren Substanzen.
Besonders betroffen sind junge Männer, die sehr viel Zeit im Studio verbringen und stark auf ihr äußeres
Erscheinungsbild fixiert sind. Viele empfinden sich trotz ausgeprägter Muskulatur als zu schmächtig. Fachleute
sprechen in schweren Fällen von einer Muskeldysmorphie, einer Störung des Körperbildes. „Wir sehen hier eine
Kombination aus Leistungsdruck, Körperidealen und einem hohen Suchtpotenzial“, so Diederich. „Anabolika
wirken beim Muskelaufbau sehr effektiv – aber der Preis dafür ist hoch.“
Warum viele Betroffene die Risiken verdrängen
Trotz bekannter Gefahren fällt es vielen Nutzenden schwer, den Konsum zu hinterfragen. „Der Suchtcharakter der
Substanzen spielt dabei eine zentrale Rolle. Erst konkrete Auslöser wie ein unerfüllter Kinderwunsch, wiederholte
Verletzungen oder auffällige körperliche Veränderungen führen zu einem Umdenken“, erläutert Diederich.
„Viele Männer kommen erst dann in die ärztliche Beratung, wenn bereits gesundheitliche Probleme aufgetreten
sind“, so der DGE-Experte weiter. „Dabei steigen mit der Dauer des Konsums auch die Risiken für bleibende
Schäden.“
DGE setzt auf Aufklärung und Prävention
Ein abruptes Absetzen der Anabolika kann zu erheblichen körperlichen und seelischen Beschwerden führen,
da die körpereigene Hormonproduktion Zeit benötigt, um sich zu erholen. Ohne Unterstützung besteht ein
hohes Rückfallrisiko. Endokrinologische Fachärzt*innen können den Ausstieg begleiten, den Hormonhaushalt
überwachen und bei Bedarf behandeln. Ebenso wichtig ist eine psychosoziale Unterstützung.
Die DGE spricht sich für mehr Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen von Doping im Freizeitsport
aus – insbesondere dort, wo junge Menschen trainieren. „Je früher Risiken realistisch benannt werden,
desto eher lassen sich Missbrauch und schwere Verläufe verhindern“, betont Diederich.
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)
Quellen:
Anawalt BD. 2019. Diagnosis & Management of Anabolic Androgenic Steroid Use. JCEM 104: 2490-2500.
Muskeldysmorphiesyndrom des Mannes: Eine Körperbildstörung. In Harrisons Innere Medizin, 20. Auflage,
Seiten 3509-11.
Pahlavani HA, Veisi A. 2025. Possible consequences of the abuse of anabolic steroids on different organs of
athletes. Arch Physiology and Biochemistry 131: 393-409.
Robert-Koch-Institut (2006) Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Doping beim Freizeit- und
Breitensport – Heft 34
| März 2026 |
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