
Dr. Carmen Aguilar vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie (IMIB) der Universität Würzburg,
leitete die Studie gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Würzburg (UKW), des Helmholtz-Instituts für
RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) und der Universität Münster. Die Ergebnisse des Teams wurden in der aktuellen
Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Microbiology veröffentlicht.
Angriffsweg von E. coli entschlüsselt
„Wir haben gezeigt, dass die Invasion von E. coli in Prostatazellen kein zufälliger Prozess ist, sondern eine
hochgradig koordinierte Operation, die eine bestimmte Schwachstelle in der Zellarchitektur des Prostataepithels ausnutzt“,
erklärt Carmen Aguilar. Ihren Erkenntnissen zufolge kann E. coli nicht wahllos angreifen, sondern konzentriert sich
auf einen bestimmten Zelltyp: die sogenannten Luminalzellen, welche die Drüsenkanäle der Prostata auskleiden
und als erste mit den Bakterien in Kontakt kommen, wenn diese die Prostata erreichen.
Diese Invasion funktioniert nach einem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Das bakterielle Protein FimH fungiert als
„Schlüssel“, der genau in ein „Schloss“ auf der Oberfläche der Luminalzellen der Prostata passt. Die Forscher
identifizierten dieses Schloss als den prostataspezifischen Rezeptor PPAP (prostataspezifische saure Phosphatase).
„Nur wenn das bakterielle Protein an diesen Prostatarezeptor bindet, können die Bakterien in die Zellen eindringen,
sich dort sicher vermehren und die Infektion auslösen“, erklärt Aguilar.
Ein Zuckermolekül blockiert die Infektion
Das Team identifizierte auch eine Möglichkeit,
diese Interaktion mit D-Mannose, einem einfachen Zuckermolekül zu blockieren. Dieser Zucker, der bereits
zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen eingesetzt wird, fungiert als „Scheinschloss“.
Die bakteriellen „Schlüssel“ binden dieses harmlose Zuckermoleküle anstelle der echten Rezeptoren auf den Prostatazellen
und blockieren so wirksam das bakterielle Eindringen in die Zellen. Im Labor hat der Einsatz von D-Mannose bereits
zu einer signifikanten Verringerung der Infektionen geführt, was auf eine mögliche neue Strategie zur Vorbeugung
und Behandlung von Prostata-Infektionen hindeutet.
Alternative Antibiotika
Das bahnbrechende Organoid-Modell bietet Forschern nun ein leistungsstarkes Werkzeug, um Prostata-Infektionen in
bisher unerreichter Detailgenauigkeit zu untersuchen. Mit diesem System untersucht das Team von Dr. Aguilar nun,
wie E. coli nach dem Eindringen in die Prostatazellen überlebt und sich vermehrt. Das Modell ermöglicht auch
die Infektionsstrategien anderer relevanter Prostatapathogene wie
Klebsiella oder Pseudomonas zu untersuchen.
„Angesichts der aktuellen Antibiotikaresistenzkrise ist es unser Ziel, neue Therapien zu entwickeln, die E. coli und
andere Bakterien ohne den Einsatz von Antibiotika bekämpfen können. Zunächst müssen wir jedoch vollständig
verstehen, wie diese Infektionen funktionieren“, sagt Carmen Aguilar. Solche Ansätze könnten eine wirksame
Alternative zu herkömmlichen Antibiotika darstellen und einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der
Antibiotikaresistenz leisten.
Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Originalpublikation:
Guedes M, et al. 2026. Uropathogenic Escherichia coli invade luminal prostate cells via FimH–PPAP receptor binding.
Nature Microbiology, Januar 2026, DOI: 10.1038/s41564-025-02231-0
| Januar 2026 |
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