urologen-infoportal-logobar
Tumore unabhängig von Sauerstoff behandeln
Die photodynamische Therapie gegen Krebs basiert darauf, Patienten eine zunächst inaktive Substanz zu verabreichen, die erst
im Tumor durch gezielte Lichtbestrahlung aktiviert wird. Dann erzeugt sie reaktive Sauerstoffspezies, die die Krebszellen töten.
Die Methode stößt allerdings an ihre Grenzen, wo kein Sauerstoff vorhanden ist – so wie in vielen Tumoren, die schnell wachsen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Karges von der Ruhr-Universität Bochum hat einen Durchbruch erzielt, der die Behandlung
auch solcher Tumore ermöglicht: Wo kein Sauerstoff vorhanden ist, tritt ein alternativer Wirkmechanismus in Kraft. Er nutzt
Wasserstoffperoxid, ein natürliches Stoffwechselprodukt der Zellen, veröffentlicht im Journal of the American
Chemical Society [1].
Die photodynamische Therapie, kurz PDT, ist eine etablierte Behandlungsmethode gegen Krebs, die vielfach im klinischen
Einsatz ist. Karges und sein Team haben einen völlig neuen Wirkmechanismus dafür entwickelt, der unabhängig von der
Sauerstoffkonzentration im Gewebe funktioniert: Der Ruthenium-basierte Wirkstoff wird durch Licht in einen angeregten
elektronischen Zustand überführt. Ist Sauerstoff vorhanden, erfolgt eine Energieübertragung auf molekularen Sauerstoff,
wodurch Singulett-Sauerstoff entsteht, der zellschädigend wirkt. „Dieser Prozess entspricht dem klassischen, sauerstoffabhängigen
Mechanismus der photodynamischen Therapie“, so Karges.
Bei Sauerstoffmangel wird dieser Weg durch einen alternativen Mechanismus ersetzt. Ursache dafür ist die Koordination von
intrazellulärem Eisen an den Wirkstoff. Diese Wechselwirkung verändert die elektronischen Eigenschaften des Systems so,
dass statt eines Energietransfers ein ultraschneller Metall-zu-Metall-Elektronentransfer vom angeregten Ruthenium-Zentrum auf
das Eisenzentrum erfolgt. Dadurch wird Wasserstoffperoxid in hochreaktive Hydroxylradikale umgewandelt. „Da Wasserstoffperoxid
ein natürliches Stoffwechselprodukt der Zelle ist, kann dieser Prozess unabhängig von molekularem Sauerstoff ablaufen“, erklärt
Johannes Karges. Die gebildeten Hydroxylradikale führen zu oxidativen Schäden an zentralen zellulären Strukturen und töten
die Krebszelle dadurch ab.
Das bedeutet, dass die Substanz auch unter schwierigen Bedingungen aktiv bleibt, in denen bisherige Therapien versagen.
In der aktuellen Studie haben die Forschenden das an Brustkrebszellen nachgewiesen. „Prinzipiell kommt die Methode aber
für viele verschiedene Tumore infrage“, sagt Johannes Karges. „Allerdings sind wir noch nicht beim Menschen angekommen
und arbeiten an der Entwicklung.“
RUB
Kontakt:
Prof. Dr. Johannes Karges
Medizinische Anorganische Chemie
Fakultät für Chemie und Biochemie und Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel. +49 234 32 24187
E-Mail:
johannes.karges@ruhr-uni-bochum.de
Quellen:
Montesdeoca N, Papadopoulos Z, Tran HM, Hinojosa SK, Sielhorst H, Heinen-Weiler J,
Karges J. 2026. Exploiting Metal-to-Metal Electron Transfer in a Ru(II) Polypyridine–Deferasirox Conjugate for Hypoxic Photodynamic
Therapy. Journal of the American Chemical Society.
DOI: 10.1021/jacs.5c20295
fusszeile
© 2003-2026 pro-anima medizin medien
–
impressum
–
mediadaten
–
konzeption
–
datenschutz