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Versorgungsstudie männlicher Testosteronmangel
Diagnose Testosteronmangel – oft übersehen, selten behandelt
Die Zahl der Männer mit diagnostiziertem Testosteronmangel ist in
Deutschland zwischen 2015 und 2021 in der Altersgruppe der 30- bis 69-Jährigen
deutlich gestiegen. Meist wurde als Ursache eine Funktionsstörung der Hoden
diagnostiziert. Eine gezielte Diagnostik und Therapie erfolgten bislang nicht
ausreichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der
Fachzeitschrift The Aging Male [1].
Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Zitzmann wurden im Rahmen der Studie
Abrechnungsdaten von rund vier Millionen gesetzlich versicherten Männern im Alter von 30
bis 80 Jahren aus dem Zeitraum 2014 bis 2021 analysiert. Hochgerechnet auf die
Gesamtbevölkerung erhielten im Jahr 2021 rund 0,87 Prozent der Männer eine
Testosteronmangel-Diagnose – also neun von 1.000 Männern. Bei 0,62 Prozent wurde ein
„primärer Testosteronmangel“ diagnostiziert, der aus einer Funktionsstörung der Hoden
resultiert. Dies entspricht sechs von 1000 Männern. In den übrigen Fällen wurde ein
„sekundärer Testosteronmangel“ (0,16 Prozent) oder ein sogenannter „funktioneller
Testosteronmangel“ (0,09 Prozent) diagnostiziert. Letzterer tritt insbesondere im
Zusammenhang mit verschiedenen Krankheiten oder einem schlechten Lebensstil auf.
Die Diagnosen für alle drei Testosteronmangel-Formen nahm über die Jahre stetig zu.
Unzureichende Diagnostik und Versorgung
Die Studienergebnisse weichen deutlich von früheren Schätzungen ab, die von einer
erheblich höheren Zahl an Erkrankten ausgehen. Dies deutet darauf hin, dass ein männlicher
Testosteronmangel vielfach nicht erkannt und/oder fehlerhaft kodiert wird. Entsprechend
erhalten viele Betroffene trotz klarer Symptome keine angemessene Behandlung [1].
Doch auch bei den Männern, die eine Diagnose erhielten, ist die Versorgung unzureichend.
So erhielt lediglich etwa jeder dritte Mann mit diagnostiziertem primärem oder sekundärem
Testosteronmangel innerhalb eines Jahres eine Testosterontherapie. Auch beim
funktionellen Testosteronmangel blieb ein relevanter Teil der Patienten unbehandelt.
Darüber hinaus wurden die Begleiterkrankungen der betroffenen Männer erfasst sowie das Ausmaß der Arbeitsunfähigkeit
bei behandelten im Vergleich zu unbehandelten Männern mit diagnostiziertem Testosteronmangel ermittelt.
Zu den häufigsten Begleiterkrankungen zählten Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Fettstoffwechselstörungen
wie ein erhöhter Cholesterinspiegel.
Auch die Krankschreibungen wurden analysiert. Die Arbeitsunfähigkeitsrate war bei den Männern ohne Therapie fast
doppelt so hoch wie bei den behandelten (17,1 gegenüber 9,71 Prozent) [1,2].
Verbesserte Lebensqualität und geringere Kosten für die Gesellschaft
„Die Studie zeigt”, so Prof. Dr. Zitzmann, „dass das Bewusstsein der Ärztinnen und Ärzte für eine gezielte Diagnostik
und Therapie des Testosteronmangels geschärft werden muss”. Dies könne, so der Wissenschaftler weiter, die
Lebensqualität der Betroffenen erhöhen und die Kosten für die Gesellschaft senken.
Das Hormon Testosteron hat beim Mann vielfältige Auswirkungen auf zahlreiche Vitalfunktionen und Befindlichkeiten.
Betroffene Männer fühlen sich oft müde und erschöpft. Typisch ist Libidoverlust, auch Potenzstörungen sind möglich.
Weitere Symptome sind eine Zunahme an viszeralem Fettgewebe (Bauchfett), Abnahme der Muskelmasse und -kraft,
Konzentrations- und Schlafstörungen sowie depressive Verstimmungen [2].
Besins Healthcare Germany
Quellen:
[1] Zitzmann M, Ortius-Lechner D, Thierfelder N, Schindler C, Häckl D. 2025. Diagnosis and Management of Male Hypogonadism in Germany. The Aging Male. 28(1):2602243.
[2] Salonia A, et al. 2026. EAU Guidelines on sexual and reproductive health. European Association of Urology 2026.
Online unter:
https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductivehealth/chapter/male-hypogonadism
Letzter Zugriff: 23.03.2026.
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