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Metastasiertes Nierenzellkarzinom
Real-World-Studie: Ergebnisse von Patienten mit vollständigem Ansprechen auf die Erstlinientherapie
Für die Erstlinientherapie beim metastasierten Nierenzellkarzinom stehen immunonkologische und zielgerichtete Optionen
sowie Kombinationen der Wirkmechanismen zur Verfügung. Das Erreichen einer Komplettremission (CR) geht mit einem
langen Gesamtüberleben (OS) einher. Es ist unklar, ob die Prognose nach CR unabhängig von dem angewandten Wirkmechanismus ist.
In einer retrospektiven Real-World-Studie wurde daher der Frage nachgegangen, inwieweit unterschiedliche
Wirkmechanismen von prognostischer Signifikanz sind.
Methoden
In dieser Real-World-Studie wurden insgesamt 154 Patient*innen mit metastasierten Nierenzellkarzinom analysiert,
die unter Erstlinientherapie eine komplette Remission (CR) erreichten (IMDC-Datenbank).
Die Studienpopulation wurde in drei Kohorten eingeteilt: 82 Patient*innen hatten eine doppelte
Immuntherapie (IO-IO), 24 eine Kombination aus Immun- und zielgerichteter Therapie (IO-VE) und 48 eine zielgerichtete
Monotherapie (VEGF) erhalten. Im Median waren die Patient*innen 59,8 Jahre alt und etwa drei Viertel (74,0%) waren
männlich. In 90,3% der Fälle lag eine klarzellige Histologie vor und 90,4% der Patient*innen hatte eine Nephrektomie
erhalten. Das Risiko laut IMDC-Kriterien wurde bei 10,9% der Patient*innen als niedrig, bei 52,6% als intermediär und
bei 20,4% als hoch eingestuft. Insgesamt war die Verteilung der prognostischen Faktoren zwischen den Patientengruppen
ausgewogen.
Ergebnisse
Die CR-Raten für die Patientengruppen unter Erstlinienbehandlung mit IO-IO, IO-VE und VEGF lagen bei 6,25%, 3,93%
bzw. 1,54%. Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 46,7 Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied für
das OS zwischen den Behandlungsgruppen (p=0,46). Die 48-Monats-OS-Raten betrugen 92,9% (IO-IO), 100% (IO-VE)
und 94,8% (VEGF).
Die Dauer der CR, ausgedrückt als Zeit bis zur nachfolgenden Therapie (TTNT), zeigte Unterschiede (Abb.).
Nach 4 Jahren hatten 85,7% versus 80,9% versus 68,6% der Patient*innen eine nachfolgende Therapie begonnen.
Die Therapiedauer lag bei 21,8 Monaten mit IO-IO, 38,4 Monaten mit IO-VE und 25,3 Monate mit VEGF. 44,1% der
Patient*innen, die eine Zweitlinientherapie begannen, hatten die Erstlinientherapie mindestens 3 Monate vor Beginn
der Zweitlinientherapie abgebrochen. Demnach rezidivierte die Erkrankung eher in der therapiefreien Zeit als unter
aktiver Therapie. Der Anteil an Patient*innen, die die Zweitlinientherapie nach einem mindestens 3 Monate
andauernden therapiefreien Intervall begann, lag bei 54,5% mit IO-IO, 50,0% mit IO-VE und 36,8% mit VEGF.
Nach einer CR mit IO-IO wurde für die zweite Therapielinie in 63,6% der Fälle wieder eine IO-Therapie, entweder
als Monotherapie oder in Kombination, gewählt. Nach einer CR mit IO-VE erhielten 20,0% der Patient*innen als
Zweitlinientherapie IO. Von allen Patient*innen mit IO in der Zweitliniensituation erreichten 75% eine komplette
oder partielle Remission und 25% eine stabile Erkrankung. Alle diese Patient*innen waren mit einer medianen
Nachbeobachtungszeit von 13 Monaten am Leben und bei der letzten Kontrolle noch unter Therapie.
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Abb.: Zeit bis zur ersten nachfolgenden Therapie nach Erstlinientherapie mit IO-IO, IO-VE oder VEGF (nach Zarba, et al.).
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Fazit
CR ist ein starker prognostischer Marker, sollte aber eher als dynamischer Zustand innerhalb eines chronischen
Krankheitsverlaufs und nicht als definitiver Endpunkt der Heilung betrachtet werden. Denn trotz langer Überlebenszeiten besteht
das Risiko von Spätrezidiven und die Dauer des therapiefreien Intervalls bei Behandlung mit unterschiedlichen
Wirkmechanismen variiert.
Die längsten Zeiten bis zur nachfolgenden Therapie wurden mit immunonkologischen Therapien
erreicht und auch eine wiederholte Immuntherapie in der Zweitlinie zeigte signifikante Ansprechraten.
Dies stützt das Konzept der Immunrekonstitution bei Patienten mit Rezidiv nach einer anhaltenden Remission, verdeutlicht
aber gleichzeitig den Bedarf an weiterer Forschung zur Identifizierung von Biomarkern, die optimale Sequenzierungs- und
Rezidivbehandlungsstrategien ermöglichen.
Hinweise für die klinische Praxis
Das Erreichen einer kompletten Remission nach Erstlinientherapie bei metastasiertem Nierenzellkarzinom ist in
klinischen Studienpopulationen mit einem exzellenten Überleben assoziiert.
Diese Real-World-Analyse bestätigt, dass eine CR ein starker prognostischer Marker ist, mit einem 4-Jahres-Gesamtüberleben
von über 90%, unabhängig von der Behandlungsart. Allerdings waren durch IO-basierte Kombinationstherapien (IO-IO oder IO-VE)
induzierte CRs, gemessen an der Dauer bis zur nächsten Behandlung, signifikant länger anhaltend als solche
nach VEGF-Monotherapie. Bemerkenswerterweise führte eine erneute Immuntherapie in der Zweitlinie bei Patienten,
deren Erkrankung nach einer durch Immuntherapie induzierten kompletten Remission fortschritt, zu einer objektiven
Ansprechrate von 75%.
Die durch Immuntherapie erzielte CR unterstreicht deren Bedeutung für das Erreichen anhaltender therapiefreier Intervalle.
Die hohe Ansprechrate auf eine erneute Immuntherapie ist bemerkenswert und könnte, falls prospektiv bestätigt, eine
Änderung der Sequenzierungsstrategien für diese Patientengruppe rechtfertigen.
Zarba M, et al. 2026.
Outcomes of complete responders from first-line therapy in metastatic renal cell carcinoma in the real world: an
analysis from the international metastatic renal cell carcinoma database consortium. Clin Genitourin Cancer 2026; Vol. 24: 102535
Mai 2026
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