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Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom
Ultrasensitive ctDNA-Detektion und molekulare Clearance als prognostischer und prädiktiver Marker
Das Nierenzellkarzinom (RCC) ist durch außergewöhnlich niedrige Spiegel zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) gekennzeichnet,
die häufig unter der Nachweisgrenze herkömmlicher Liquid-Biopsy-Verfahren liegen. Diese geringe Freisetzungsrate von ctDNA schafft
einen erheblichen Bedarf an ultrasensitiven Strategien zum Nachweis molekularer Resterkrankung (MRD),
um die Patientenstratifizierung zu verbessern und ein longitudinales Monitoring des Krankheitsverlaufs im klinischen Alltag zu ermöglichen.
Methoden
Die ctDNA-Profilierung erfolgte mittels NeXT Personal, einem tumorinformierten, auf der Ganzgenomsequenzierung (WGS) basierenden
Verfahren, das bis zu ca. 1.800 patientenspezifische Varianten mit einer Nachweisgrenze (LOD) von ca. 1 Teil pro Million (PPM) erfasst.
Analysiert wurden Ausgangs- und Verlaufsproben (n=165) von 37 Patienten mit fortgeschrittenem RCC. Die Primäranalyse untersuchte
die Ausgangsproben (n=36) im Hinblick auf klinische Variablen. Der prognostische Wert für das progressionsfreie Überleben (PFS)
und das Gesamtüberleben (OS) wurde bei Patienten bewertet, die eine Immuntherapie oder TKI-Behandlung erhielten (n=35).
Ergebnisse
Bei 84% (31/37) der Patienten wurde zu Studienbeginn ctDNA nachgewiesen. Bemerkenswert ist, dass 13% (4/31) dieser Nachweise
im ultrasensitiven Bereich unter 100 PPM lagen. Die ctDNA-Spiegel (in PPM) zu Studienbeginn korrelierten signifikant mit der
IMDC-Risikogruppe (Median-PPM: günstig 10,9; intermediär 244,2; ungünstig 2437,0; p=0,005), dem Vorliegen histologischer
Hochrisikomerkmale (Median-PPM: niedriges Risiko 40,6 vs. hohes Risiko 1528,0; p=0,025) und dem Stadium bei
Diagnosestellung (Median-PPM: I–III 35,1 vs. IV 1548,3; p=0,006).
Die medianen ctDNA-Werte waren bei Patienten mit einem
Rezidiv an der Operationsstelle signifikant niedriger (5,5 vs. 937,2 PPM; p=0,038).
Die molekulare ctDNA-Clearance
(mCR) – definiert als ctDNA-negativer Status zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Erstlinientherapie – erwies sich
als prognostisch relevant. Die mCR korrelierte signifikant mit dem besten Gesamtansprechen (p=0,007) und wies
eine Spezifität von 100% für die Krankheitskontrolle auf.
Kein Patient mit progredienter Erkrankung erreichte eine
Clearance. Patienten, die keine mCR erreichten, wiesen ein schlechteres PFS (HR=8,69; p= 0,001) und
OS (HR=4,70; p=0,044) auf. Bei Patienten, deren bestes Ansprechen laut Bildgebung als stabiler
Krankheitsverlauf (SD) eigestuft wurde,
war mit der mCR eine entscheidende Differenzierung möglich: Patienten mit ctDNA-Clearance zeigten nach zwei Jahren
ein PFS und OS von 100%, während bei ctDNA-positiven Patienten das PFS auf 0% und das OS auf 33%
(innerhalb eines Jahres) abfielen. Zudem war das Erreichen einer mCR signifikant mit einer klinischen
Krankheitskontrolle (PR+SD: 92,3% vs. 50,0%; OR 12,0 [95%-KI 1,32–108,8], p=0,013) assoziiert.
Fazit
Die ultrasensitive ctDNA-Analytik überwindet wirksam die Herausforderung der geringen DNA-Freisetzung beim fortgeschrittenen
RCC und könnte zusätzliche prognostische Informationen liefern, die die Standardbildgebung und die IMDC-Risikomodelle ergänzen.
Die molekulare ctDNA-Clearance dient als wirksamer Biomarker für das Langzeitüberleben und identifiziert Patienten mit dauerhaftem Ansprechen,
auch bei radiologisch stabilem Krankheitsverlauf.
Diese Ergebnisse sprechen für die Einbeziehung des ctDNA-Monitorings als Entscheidungsgrundlage für Strategien zur Behandlungsintensivierung
oder -deeskalation.
Bañobre JR, et al. 2026.
Ultrasensitive ctDNA Detection and Molecular Clearance as a Prognostic and Predictive Marker in Advanced RCC. 2026 ASCO Annual Meeting I.
J Clin Oncol 44, 4551(2026), Volume 44, Number 16_suppl, DOI: 10.1200/JCO.2026.44.16_suppl.4551
Juni 2026
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