Urothelkarzinom
Inzidenz und Überlebensrate beim Urothelkarzinom in Abhängigkeit von histologischen Subgruppen
Die Einteilung des Urothelkarzinoms in verschiedene histologische Varianten ist unerlässlich für das Verständnis der
biologischen Charakteristik und Einflüsse auf klinische Parameter. Eine Auswertung aus dem deutschen NRW-Krebsregister
untersuchte die Inzidenz und Prognose beim Urothelkarzinom in Abhängigkeit von histologischen Subgruppen.
Seit 2005 erhebt das Krebsregister von Nordrhein-Westfalen (NRW) Daten zur Patientdemographie, Tumordiagnose,
Tumorcharakteristik und Mortalität. 74.045 in den Jahren 2008-2022 im Register geführte Patient*innen mit onkologischen
Diagnosen der ICD 10-Klassifikation C65 (Nierenbecken), C66 (Harnleiter), C67 (Harnblase) und C68 (unspezifische Harnorgane)
wurden identifiziert und 73.751 auf ihre histologische Inzidenz und Überlebensraten ausgewertet.
Bei der Mehrheit der Erkrankten (57,9%) wurde ein Urothelkarzinom (UC) diagnostiziert, bei 27,2% in papillär invasives
Urothelkarzinom (PIUC), bei 2,1% ein squamöses Karzinom (SCC), bei 1,3% ein Adenokarzinom (ADC), bei 1,4% andere
spezifische Tumortypen (OSTT) und bei 10,2% unspezifische Tumortypen (UTT).
Es wurden keine Unterschiede des Auftretens in Abhängigkeit von der demographischen Charakteristik beobachtet. Bezüglich
des T-Stadiums wurden häufiger Tumoren im Stadium 1 bei PIUC beobachtet. Bei 87,5% der UTT war das T-Stadium nicht
bekannt. Bei Frauen traten PIUC seltener auf als bei Männern (18,7 vs. 27,7%), während SCC (5,3 vs. 1,1%) und
UTT (9,5 vs. 4,9%) bei Frauen häufiger beobachtet wurden. Die altersstandardisierte Inzidenz (ASR) pro
100.000 Personenjahren war bei Männern höher als bei Frauen und zweigte über den Studienverlauf eine leichte
Abnahme.
Für die Periode von 2018 bis 2022 wurden absolute und relative Überlebensdaten analysiert. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten
waren abhängig vom Tumortyp und lagen bei 72,0% (PIUC), 56,0% (UTT), 50,6% (UC), 43,5% (ADC), 32,3% (SCC) und
23,8% (OSTT). Mit zunehmendem Alter bei Diagnose war die Prognose verschlechtert. Von Erkrankten >80 Jahre
überlebten 44,8% 5-Jahre, während Betroffene <60 Jahren in 68,1% der Fälle 5 Jahre überlebten. Bezüglich der
ICD-Einteilung hatten Patient*innen mit Diagnosen im Bereich C67, C66 und C65 mit etwa 50% 5-Jahres-Überlebensraten
eine bessere Prognose als Patient*innen mit Tumoren im Bereich C68 mit 33,8%. Waren die Tumoren bei Diagnose
in einem frühen Stadium (T1) lag die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit bei 76,1%, in den Stadien T3-4 bei 33,7%.
Frauen zeigten eine geringere 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit (49,0%) im Vergleich mit Männern (58,4%).
Fazit
Die Analyse des NRW-Krebsregisters zeigt prognostische Unterschiede für die Subtypen des Harnblasenkarzinoms
und deutet damit auf die Notwendigkeit hin, Unterscheidungen zu treffen, die bisher in klinischen Studien vernachlässigt
werden.
Darr C, et al. 2026.
Histotype-specific incidence and survival of urothelial carcinoma – an analysis of the German North Rhine-Westphalia Cancer.
ESMO Real World Data and Digital Oncology 2026, 11: 100678, https://doi.org/10.1016/j.esmorw.2025.100678
Mai 2026
IS