Fortgeschrittenes kolorektales Karzinom (CRC): Von der Erst- zur Drittlinie

Die Chemotherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms (CRC) begann mit 5-Fluorouracil (5-FU) in den 80er Jahren. Die Substanz blockiert, wenn sie als Dauerinfusion verabreicht wird, die DNA-Synthese, und als Bolus gegeben, die RNA-Synthese. Prof. Dr. Meinolf Karthaus (München) erinnerte daran, dass vor allem die 90er Jahre geprägt waren durch wahre „Glaubenskriege“, welche Applikationsform überlegen ist. Weitere Stationen der Chemotherapie waren 5-FU-Dauerinfusion plus Leucovorin, 5-FU plus Irinotecan/Oxaliplatin und FOLFOXIRI. Mit jedem Schritt konnten Responseraten und Überleben verbessert werden.

Die Entdeckung von KRAS als prädiktivem Biomarker brachte zielgerichtete Anti-EGFR-Therapien wie Cetuximab oder Panitumumab ins Spiel. Doch nur Patienten mit KRAS-Wildtyp, die ohnehin eine günstigere Prognose aufweisen, profitieren von dieser Zusatzmedikation in der Firstline. Das gilt vor allem, wenn der Primärtumor im linken Kolon lokalisiert ist, so Karthaus. Die FIRE-3-Studie fand für FOLFIRI plus Cetuximab ein vergleichbares progressionsfreies Überleben (PFS) wie für FOLFIRI plus Bevacizumab, aber ein signifikant besseres Gesamtüberleben [1]. Der Unterschied lasse sich durch eine tiefere Remission unter der Cetuximab-Kombination erklären, so Karthaus.

KRAS-Wildtyp-Patienten mit einer EGFR-gerichteten Firstline-Therapie können in der Zweitlinie einen Überlebensvorteil durch eine VEGF-Antikörper-basierte Therapie erreichen. Der Nutzen der umgekehrten Reihenfolge (VEGF-gerichtete Therapie zuerst, dann EGFR-Therapie) ist weniger gut gesichert. Wenn auch die Zweitlinientherapie versagt, kann man Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf®) einsetzen. Tipiracil (TPI) hemmt die Thymidinphosphorylase (TP) und verhindert damit die Inaktivierung des Antimetaboliten Trifluridin (FTD), so dass dieser länger wirksam bleibt. FTD/TPI hat beim metastasierten kolorektalen Karzinom in der RECOURSE-Studie im Vergleich zu Placebo einen signifikanten Überlebensvorteil von etwa zwei Monaten gebracht (7,1 vs. 5,3 Monate; p<0,0001) – bei überschaubarem Nebenwirkungsprofil [2]. Der Effekt war am stärksten bei Patienten mit geringer Tumorlast und wenig aggressiver Erkrankung.

Seit neuestem ist die Substanz auch beim metastasierten Magenkarzinom zugelassen, wenn mindestens zwei vorangegangene Chemotherapien versagt haben, ergänzte Karthaus. Basis dafür war die Phase-III-Studie TAGS, die im Vergleich zu Placebo einen Überlebensvorteil von 5,7 Monaten versus 3,6 Monaten in der Placebogruppe (p=0,0003) gezeigt hat [3]. „Zwei Monate ist beim Magenkarzinom eine Menge“, kommentierte Karthaus.

Quelle: Fachpresse-Workshop der POMME-med GmbH am 23. Oktober 2019 in München.

[1] Heinemann V et al. Lancet Oncol 2014; 15:1065-1075
[2] Mayer R et al. N Engl J Med 2015; 372:1909-1919
[3] Shitara K et al. Lancet Oncol 2018; 19:1437-1448


November 2019

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