Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom im Zusammenhang mit der Einnahme von Tamsulosin
 
Alpha-1-Blocker werden häufig zur symptomatischen Behandlung des benignen Prostatasyndroms (BPS) eingesetzt. Obwohl schon länger bekannt, wurde von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft auf das intraoperative Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) im Zusammenhang mit der Einnahme von Tamsulosins erneut hingewiesen [1].

Sowohl BPH als auch die Trübung der Augenlinse kommen überwiegend bei älteren Männern vor. Männer, deren Augenlinse gegen eine Kunstlinse ausgetauscht werden soll, sollten den operierenden Arzt frühzeitig darauf hinweisen, wenn sie Tamsulosin einnehmen. Es wird zwar empfohlen, die Behandlung mit dem Alphablocker in Absprache mit dem behandelnden Arzt etwa zwei Wochen vor der Augenoperation abzusetzen. Es ist jedoch unklar, ob das Risiko für das IFIS dadurch gesenkt werden kann.
Besteht die Annahme, dass ein Mann sich in absehbarer Zeit einer Katarakt-Augenoperation unterziehen muss, wird vorsorglich geraten, ihn frühzeitig auf ein weniger selektiv wirkendes Mittel wie Alfuzosin umzustellen.

IFIS - ein Zusammenhang mit der Einnahme von Tamsulosin

Bereits bei der Erstbeschreibung von IFIS wurde auf eine Assoziation mit einer gleichzeitigen oder vorangegangenen Einnahme des Alpha-1-Rezeptorantagonisten Tamsulosin hingewiesen [2]. Seither wurde die Assoziation insbesondere mit Tamsulosin, aber auch mit anderen Alphablockern wie Alfuzosin oder Doxazosin, immer wieder bestätigt [3-6].
In Deutschland werden zur BPS-Behandlung am häufigsten Tamsulosin und Alfuzosin verordnet. Tamsulosin weist eine höhere Affinität und Selektivität zum alpha-1A-Adrenozeptor auf als andere Alphablocker. Über diesen Rezeptor wird jedoch nicht nur der Tonus der glatten Muskulatur der Harnwege kontrolliert, sondern auch der M. dilatator pupillae. Eine unvollständige Kontraktion des M. dilatator pupillae durch Blockade des alpha-1A-Adrenozeptors kann eine unzureichende Erweiterung der Pupille zur Folge haben.

Empfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft

• Ärzte, die Tamsulosin und andere Alphablocker verordnen, sollten sich des IFIS-Risikos bewusst sein und Patienten darüber aufklären. Insbesondere bei Patienten mit klinischen Hinweisen auf eine Katarakt sollte vor Verordnung dieser Substanz ein Augenarzt einbezogen werden, um die Wahrscheinlichkeit einer zukünftig erforderlich werdenden Katarakt-Operation abzuschätzen.

• Bei Männern mit LUTS und bereits geplanter Katarakt-Operation sollte der Eingriff möglichst vor Beginn einer Behandlung mit einem Alphablocker durchgeführt werden. Nach erfolgter Katarakt-Operation kann jeder Alphablocker angewendet werden.

Red.


Literatur:
[1] Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft: „UAW-News International“: Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom im Zusammenhang mit Tamsulosin. Dtsch. Ärztebl. 2020; 1178(37):A-1711 / B1463
[2] Chang DF, Campbell JR. 2005. Intraoperative floppy iris syndrome associated with tamsulosin. J Cataract Refract Surg 31:664–673.
[3] Handzel DM, Briesen S, Rausch S, Kalble T: Cataract surgery in patients taking alpha-1 antagonists: know the risks, avoid the complications. Dtsch Arztebl Int 2012; 109:379384.
[4] Lunacek A, Mohamad Al-Ali B, Radmayr C, et al. 2018. Ten years of intraoperative floppy iris syndrome in the era of alpha-blockers. Cent European J Urol 71:98104.
[5] Chatziralli IP, Peponis V, Parikakis E, et al. 2016. Risk factors for intraoperative floppy iris syndrome: a prospective study. Eye (Lond) 30:10391044.
[6] Kaczmarek IA, Prost ME, Wasyluk J. 2019. Clinical risk factors associated with intraoperative floppy iris syndrome: a prospective study. Int Ophthalmol 39:541549.







Februar 2021

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