Technik braucht Training:
Weltweit wird alle 26 Sekunden eine da Vinci-OP durchgeführt
 
In der roboterassistierten Chirurgie spielt die Aus- und kontinuierliche Weiterbildung der Operateure und der OP-Teams eine entscheidende Rolle. Weltweit wurden bereits mehr als 40.000 Chirurgen am da Vinci-System ausgebildet – mehrstufig, interaktiv und mit neuesten technischen Möglichkeiten.

Vor über 20 Jahren erhielt das da Vinci-Chirurgie-System als erstes roboterassistiertes System eine CE-Zulassung. Prof. Stefan Siemer (Homburg/Saar) verfügt nicht nur über langjährige Erfahrung in der da Vinci-Chirurgie, sondern ist u.a. als „Proktor“ tätig. Das heißt er schult andere Robotic-Chirurgen und vermittelt ihnen die notwendigen Fähigkeiten im Umgang mit der da Vinci-Technik. Für ihn sind roboterassistierte Operationen längst Standard-Eingriffe im urologischen Alltag.

Bevor ein Arzt selbständig mit dem Roboter operiert, sollte er mindestens 100 Schritte unter Anleitung gemacht haben, sagte Siemer. Das Curriculum dauert mindestens ein halbes Jahr für den Operateur. Jüngere Kollegen, die früher Nintendo- oder Video-Spiele gemacht haben, kommen oft besser mit der OP-Konsole klar. Trotzdem bleibt die Roboter-Assistenz nur ein Hilfsmittel für die Fertigkeit der eigenen Hände, meinte Siemer, und die Operation führt nach wie vor der Mensch selbst durch, ergänzte Prof. Tobias Keck (Lübeck).

Für die perfekte Operation ein gut ausgebildetes Team erforderlich

Das über Jahre weiterentwickelte Schulungsprogramm bietet Hard- und Software, erfahrene Schulungsleiter, Schulungszentren, Online-Schulungsmodule und Video-Demonstrationen. Nirgends sei es so wichtig wie bei der da Vinci-Operation, dass es sich nicht um eine One-Man-Show, sondern um eine Team-Operation handle. Das bedeute aber auch für die Ausbildung, dass neben dem Operateur auch Tisch-Assistenz und OP-Schwester geschult werden müssen, wenn z.B. die Prostatektomie stattfindet. „Nur mit einem gut ausgebildeten Team kann letztendlich auch die perfekte Operation erzielt werden“, sagte Siemer.

Er plädiert dafür, dass es eine Zentrumbildung in Deutschland geben sollte. Er denkt an ein Zentrum, das zumindest in der Urologie mit 4-5 Robotern viele da Vinci-Eingriffe pro Jahr macht. Derzeit gibt es über 100 Zentren in Deutschland, dabei gibt es auch solche, die nur 30-40 OP’s pro Jahr machen. „Das ist bei dieser komplexen Technik keine gute Entwicklung“, stellte der Urologe fest.

Eine größere urologische Klinik sei nach Siemer ohne das da Vinci-System nicht mehr vorstellbar. Er geht noch weiter: Untereinander könnten in einem Zentrum von OP-Konsole zu OP-Konsole auch Disziplinen wie Gynäkologen, Urologen, Thorax-Chirurgen und Chirurgen zusammenarbeiten. Würde das konsequent umgesetzt, könnte man in der operativen Medizin einen bedeutsamen Fortschritt erzielen, sagte Siemer. Während bei der Prostatektomie die Patienten längst mit den Füßen abgestimmt hätten, dass sie lieber mit Hilfe des Roboters operiert werden möchten, sei die Botschaft bei den Kostenträgern bzw. Krankenkassen noch nicht angekommen und die Kosten würden nicht übernommen. Eine Klinik muss also für sich entcheiden, ob es sich rechnet. Die Vergütung erfolgt im Rahmen der DRG’s bzw. Fallpauschalen.

Ist jemand als Patient für offene Operationen (Niere, Blase, Prostata) geeignet, kann er auch roboterassistiert operiert werden. Ist ein Patient fettleibig, profitiert er ganz besonders von dem da Vinci-Chirurgie-System z.B. bei einer Prostatektomie.

Dr. med. Tilman Schlick, Director Medical Affairs, Intuitive Surgical Deutschland GmbH, erinnerte, dass man während der Operation nicht nur die 100%ige Kontrolle über den Eingriff hat, sondern mit den Endoskopie-Instrumenten-Steuerungssystemen von Intuitive Surgical (da Vinci X-, da Vinci Xi- und da Vinci Si- Chirurgie-Systeme) dreidimensional bis zu einer zehnfachen Vergrößerung sehen kann und sich außerdem noch eine Beweglichkeit der Instrumente zunutze machen kann, die die natürliche einer Hand übertrifft. „So kann ich präzise den Ort, wo ich als Operateur arbeite, gut erreichen“, sagte Schlick. Man kann zudem auch Farbstoffe injizieren, die dem Operateur noch mehr Sicherheit während des Eingriffs geben.

Gegliedert ist der da Vinci Technology Pathway in

Phase 1, in der man das erste Mal mit einem da Vinci-System in Kontakt kommt, Prozeduren-Videos sehen kann und in einem Referenz-Zentrum einen Proktor treffen kann und in

Phase 2, in der ein multimodales Training stattfindet (bestehend aus Online-Modulen, einem Simulator-Training, Technologie-Schulung und Labor-Training des gesamten OP-Teams, Trockenübungen mit Leistungsbeurteilung und Abschlusszertifikat) und in

Phase 3 (Vorbereitung der ersten Eingriffe, Dry run im OP mit dem gesamten OP-Team, unterstützt durch Intuitive Clinical Sales Mitarbeiter) und in

Phase 4 (Trainingskurse für Fortgeschrittene: hier werden spezielle Fragestellungen bearbeitet). Ziel der Ausbildung ist natürlich eine Standardisierung der Eingriffe, so dass sich deren Zeit verkürzt und die Komplikationsraten verringert werden. Heutzutage muss auch ein Proktor nicht mehr vor Ort sein, sondern kann über Videokonferenzen in die OP-Säle zugeschaltet werden. Dabei kreiert Intuitive ein Netzwerk von Chirurgen, das sich von Arzt zu Arzt auch über wissenschaftliche Fragestellungen austauschen kann. Mittlerweile gibt es 21.000 wissenschaftliche Publikationen zum da Vinci-Chirurgie-System.

Die da Vinci X-, da Vinci Xi- und da Vinci Si-Chirurgie-Systeme sind medizinische Geräte der Klasse IIb mit CE-Kennzeichnung (CE 0543) gemäß der europäischen Medizinprodukte-Richtlinie (93/42/EWG), die von Intuitive Surgical, Inc. hergestellt werden.

Bericht: Dr. med. Nana Mosler, Leipzig

Quelle: Virtuelles Pressegespräch „Roboter-assistiertes Operieren – chirurgische Ausbildung ist ein Grundpfeiler“ am 15. September 2020, Veranstalter: INTUITIVE Surgical Deutschland


18. September 2020

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