Zweitlinientherapie des metastasierten Urothelkarzinoms:
Vinflunin bringt Vorteile bezüglich des Überlebens und der Verträglichkeit
 

Das Urothelkarzinom ist in den westlichen Industrieländern die fünfhäufigste Krebserkrankung. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen.

In der First-line-Therapie des rezidivierten Harnblasenkarzinoms gelten Gemcitabin und Cisplatin gemäß den Leitlinien der EAU als Substanzen der Wahl. Darunter kommt es jedoch bei fast allen Patienten zu Rezidiven, so dass sie eine Zweitlinientherapie benötigen. Für dieses Krankheitsstadium gab es noch bis vor Kurzem keinen Therapiestandard. Bei der Progression nach Platin-haltiger Erstlinientherapie hat man sich bislang mit Best Supportive Care (BSC) oder empirisch eingesetzten Chemotherapien beholfen. Doch seit der Zulassung von Vinflunin (Javlor®) im Jahr 2010 steht jetzt erstmals eine effektive, von der EAU empfohlene Zweitlinientherapie zur Verfügung.

Zweitlinientherapie mit Überlebensvorteil

Die Zulassung von Javlor® basiert auf einer randomisierten Phase-III-Studie, in der Vinflunin plus BSC mit alleiniger BSC verglichen wurde. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (Bellmunt J, et al. 2009). Als Studienpopulation waren Urothelkarzinom-Patienten vorgesehen, die in der metastasierten Situation unter bzw. nach First-line-Therapie einen Progress erlitten hatten.

In der Studienpopulation, die dieses Patientenkollektiv am genauesten repräsentierte („eligible population“), ergab sich auch nach mehr als 3,5-jährigem Follow-up für die Behandlung mit Vinflunin plus BSC gegenüber alleiniger BSC ein signifikantes, um 2,6 Monate längeres medianes Gesamtüberleben (6,9 vs. 4,3 Monate; p=0,0227; Abb.).

Stabilisierung der Erkrankung und Erhalt der Lebensqualität

Für die Patienten kommt es in der Zweitlinientherapie nicht allein auf längeres Überleben an. Entscheidend ist auch eine möglichst hohe Lebensqualität in der gewonnenen Zeit. Die Ergebnisse der Zulassungsstudie belegen neben der signifikant längeren Gesamtüberlebenszeit auch eine tendenziell verbesserte Lebensqualität für die Patienten im Vinflunin-Arm. Insbesondere konnten Schmerzen reduziert werden, betonte Prof. J. Gschwend (München) auf einem EAU-Symposium in Wien. Diese Symptomenkontrolle sowie der Erhalt der Lebensqualität sind konsistent mit der adäquaten Krankheitskontrolle, die in der Zulassungsstudie im Vinflunin-Arm beob-achtet wurde.

Die Therapie mit Vinflunin zeichnet sich nicht nur durch hohe Effektivität sondern auch durch eine gute Verträglichkeit aus. Die beobachteten Toxizitäten, wie Neutropenie, Übelkeit und Erbrechen, waren gut beherrschbar und nicht kumulativ. Wie bei anderen Chemotherapien so sollte auch bei Vinflunin vor jeder Anwendung eine antiemetische Prophylaxe verabreicht werden.

Unter der Behandlung mit Vinflunin traten in den klinischen Studien bei 15,3% der Patienten Grad-3/4-Obstipationen auf. Zu deren Vermeidung werden eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr und eine ballaststoffreiche Ernährung empfohlen. Zudem sollte eine konsequente prophylaktische Begleitmedikation mit Laxanzien ab Tag 1 bis Tag 7 in jedem Zyklus gegeben werden.

EAU-Leitlinien empfehlen Vinflunin als Zweitlinientherapiestandard

Vinflunin erreichte den höchsten Evidenzlevel, der bislang für die Zweitlinienanwendung publiziert worden ist. Die EAU empfiehlt in ihren Leitlinien Vinflunin daher als neuen Standard für das forgeschrittene/metastasierte Urothelkarzinom nach Versagen einer Platin-haltigen Vortherapie. Die Leitlinien betonen, dass Vinflunin in dem genannten Setting derzeit die einzig zugelassene Therapieoption ist; der Einsatz anderer Behandlungen sollte laut Leitlinien nur im Rahmen klinischer Prüfungen erfolgen.

Malgorzata Klafke


Quelle: EAU-Symposium „Current challenges in the treatment of urothelial carcinoma” am 21.03.2011 in Wien. Veranstalter: Pierre Fabre GmbH.

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Fazit und Ausblick
Vinflunin (Javlor®) ist die erste zugelassene und von der EAU empfohlene Zweitlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem/metastasiertem Urothelkarzinom nach Versagen einer Platin-haltigen Vortherapie.

Aktuell wird das therapeutische Potenzial von Vinflunin im First-Line-Setting sowie in der Erhaltungstherapie geprüft.

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