Anwendung von Eligard® 22,5 mg und 45 mg in der täglichen Praxis bewährt
 

Die Androgendeprivationstherapie (ADT) mittels Luteinisierungshormon-Releasing-Hormon (LHRH)-Agonisten ist heute Standard in der Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms.
Als Depotformulierung des LHRH-Agonisten Leuprorelinacetat in einer bio-abbaubaren Polymermatrix (Atrigel®) bewirkt Eligard® (Astellas Pharma) die lang anhaltende gleichmäßige Freisetzung des Wirkstoffs nach subkutaner Applikation. Die Ergebnisse verschiedener klinischer Studien verdeutlichen, dass bei Anwendung der 1- (7,5 mg), 3- (22,5 mg) und 6- (45 mg) Monatsdepots Eligard® eine signifikante Reduzierung der Testosteron- und PSA-Spiegel erreicht wird [1–3]. Demgegenüber war die Dokumentation von Daten zur Anwendung der Eligard®-Formulierungen in einer breiten Patientenpopulation bislang auf eine nicht-interventionelle Prüfung mit Leuprorelinacetat als 6-Monatsdepot bei 1273 Patienten beschränkt [4]. In der aktuellen Studie sollten Wirksamkeit und Verträglichkeit von Eligard® 22,5 mg und Eligard® 45 mg auch in der täglichen Praxis geprüft werden. Die Ergebnisse wurden anlässlich des 4th European Multidisciplinary Meeting on Urological Cancer (EMUC) vom 16. bis 18. November 2012 in Barcelona präsentiert.


Betreuung durch niedergelassene Urologen über 12 Monate

Insgesamt 662 niedergelassene Urologen dokumentierten Daten von 1906 Prostatakarzinom-Patienten, die sich einer Behandlung mit Eligard® 22,5 mg oder Eligard® 45 mg unterzogen. Als Hauptgrund für den Einsatz von Eligard® wurde die Indikation fortgeschrittenes Prostatakarzinom genannt (42,1%). Weitere wesentliche Gründe für den Behandlungsbeginn mit 3- bzw. 6-Monatsdepot Eligard® waren das Verweigern oder die Nichteignung einer anderen Therapie (20,2%), das Vorliegen von Metastasen (12,5%), sowie der PSA-Anstieg nach Bestrahlungstherapie (8,1%) .

Die Analysen basieren auf gepoolten Daten von zwei prospektiven, nicht-interventionellen Studien, die zwischen Januar 2007 und Dezember 2009 in Deutschland durchgeführt worden waren. Von den Männern unterzogen sich 58,4% der Monotherapie mit Eligard® und 34,3% einer Kombinationstherapie (Eligard® plus Antiandrogen, Bisphosphonat oder Chemotherapie). In der gesamten Patientenpopulation wurden bei 58,5% der Männer Begleiterkrankungen vorwiegend kardiovaskulärer Art dokumentiert. Bei etwa der Hälfte der Männer wurde während der Studie die Einnahme von Begleitmedikationen dokumentiert.

Reduktion des Serum-PSA-Spiegels

Nach 12-monatiger Behandlung mit Eligard® 22,5 mg und Eligard® 45 mg war der mediane PSA-Spiegel in der Gesamtpopulation von 12,2 ng/ml auf 0,5 ng/ml gesunken (Abb. 1). Bei Patienten ohne vorausgegangene ADT und bei mit Leuprorelinacetat (Trenantone®) und Goserelin- oder Buserelinacetat vorbehandelten Patienten war die Reduktion des PSA-Spiegels vergleichbar deutlich (Abb. 2). Das ist insofern bemerkenswert, als bei ADT-naiven Patienten ein doppelt so hoher Ausgangswert vorlag. In Subgruppen-analysen von Patienten, die entweder von Leuprorelinacetat Takeda Pharmaceuticals (Trenantone®) oder Goserelinacetat Astra Zeneca (Zoladex®) vorbehandelt waren und nun Eligard® 22,5 mg bzw. Eligard® 45 mg als Monotherapie erhielten, sank der mediane PSA-Spiegel um jeweils 96% von 7,2 ng/ml auf 0,3 ng/ml bzw. um von 7,5 ng/ml auf 0,3 ng/ml.

Abb. 1: Absinken des medianen PSA-Spiegels 6 und 12 Monate nach Behandlung mit 3- oder 6-Monatsdepot Eligard® in der gesamten Patientenpopulation (Ohlmann, et al. 2012).

Abb. 2: Reduktion des medianen PSA-Spiegels nach 12-monatiger Behandlung mit Eligard® 22,5 mg oder Eligard® 45 mg bei ADT-naiven Patienten und bei mit LHRH-Agonisten vorbehandelten Patienten (Ohlmann, et al. 2012).


Deutlicher Abfall des Testosteronspiegels

In den nicht-interventionellen Studien war die Messung des Testosteronspiegels zu irgendeinem Zeitpunkt im Studienverlauf nicht vorgeschrieben. Sie erfolgte auf freiwilliger Basis bei weniger als jedem vierten Patienten. Aus den verfügbaren Daten wurde ermittelt, dass sich der mediane Testosteronspiegel in der gesamten Patientenpopulation nach 12-monatiger Behandlungsdauer um 90 % von 88,8 ng/dl auf 8,9 ng/dl erniedrigt hatte (Abb. 3). Beim Vergleich von ADT-naiven mit den mit LHRH-Agonisten vorbehandelten Patienten wurde durchweg eine Reduktion des Testosteronspiegels auf unter 20 ng/dl registriert (Abb. 4). Dieser Wert wird von zahlreichen Experten gegenüber der ursprünglichen Definition von 50 ng/dl als eher geeignetes Kastrationsniveau angesehen. Die Absenkung des Testosteronspiegels auf möglichst deutlich unter 20 ng/dl hat Priorität, denn zwischen dem Überleben und der bei einer ADT erreichten Testosteronspiegelabsenkung besteht bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom ein signifikanter Zusammenhang [5].


Abb. 3: Mediane Testosteronspiegel in der gesamten Patientenpopulation 6 und 12 Monate nach Behandlung mit Eligard® 22,5 mg oder Eligard® 45 mg (Ohlmann, et al. 2012).

Abb. 4: Reduktion des medianen Testosteronspiegels nach einer 12-monatigen Behandlung mit Eligard® 22,5 mg und Eligard® 45 mg bei ADT-naiven Patienten und bei mit LHRH-Agonisten vorbehandelten Patienten (Ohlmann, et al. 2012).


Gute Verträglichkeit von Eligard® bestätigt

In der täglichen Praxis bestätigte sich die gute Verträglichkeit der 3- und 6-Monatsdepotformulierungen Leuprorelinacetat wie sie in klinischen Studien bereits dokumentiert worden ist. Häufigste nicht-schwerwiegende unerwünschte Wirkungen waren Schmerzen an der Einstichstelle (2,3%) und Hitzewallungen (1,6%). Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen (Tod, kardiovaskuläre Ereignisse, Tumorprogression wie auch die Notwendigkeit einer radikalen Prostatektomie) standen nur in einem Fall in einem möglichen kausalen Zusammenhang mit der Eligard®-Behandlung. Zu einem vorzeitigen Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Wirkungen kam es in nur vier Fällen (0,2%).

Quelle: Ohlmann C-H, Gross-Langenhoff M, Tunn UW. 2012. Wirksamkeit und Verträglichkeit von 3- und 6-Monatsdepotformulierungen Leuprorelinacetat bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom in der täglichen Praxis: gepoolte Daten aus 2 nicht-interventionellen Studien. 4th European Multidisciplinary Meeting on Urological Cancer (EMUC) vom 16. bis 18. November 2012 in Barcelona.

Literatur:
[1] Perez-Marreno R, Chu FM, Gleason D, et al. 2002. A six-month, open-label study assessing a new formulation of leuprolide 7.5 mg for suppression of testosterone in patients with prostate cancer. Clin Ther. 24:1902-1914.
[2] Chu FM, Jayson M, Dineen MK, et al. 2002. A clinical study of 22.5 mg La-2550: A new subcutaneous depot delivery system for leuprolide ace­tate for the treatment of prostate cancer. J Urol 168:1199-1203.
[3] Crawford ED, Sartor O, Chu F, et al. 2006. A 12-month clinical study of LA-2585 (45.0 mg): a new 6-month subcutaneous delivery system for leuprolide acetate for the treatment of proistate cancer. J Urol 175:533-536.
[4] Tunn UW, 2011. A 6-month depot formulation of leuprolide acetate is safe and effective in daily clinical practice: a noninterventional prospective study in 1273 patients. BMC Urol 2011:11-15.
[5] Perachino M, Cavalli V, Bravi F, 2010. Testosterone levels in patients with metastatic prostate cancer treated with luteinizing hormone-releasing hormone therapy: prognostic significance? BJU Int 105:648-651.

 

FAZIT

  • Die Daten aus der klinischen Praxis mit den langen Dosierungsintervallen bestätigen die effektive Reduktion der Testosteron- und PSA-Spiegel wie sie in klinischen Studien bereits mit ADT-naiven wie auch mit LHRH-vorbehandelten Patienten ermittelt worden waren.
  • In ihrer abschließenden Beurteilung hoben die Urologen die Bedeutung des langen Dosierungsintervalls, vornehmlich von Eligard® 45 mg, für den Einsatz der Präparate hervor.
  • Mehrheitlich wurde die Handhabung der vorgefüllten Spritze in der Praxisroutine als (sehr) praktisch empfunden.
  • Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die große Mehrheit der Ärzte (91 %) die lokale Verträglichkeit als sehr gut oder gut bewertete.
  • fusszeile

     
           © 2003-2021 pro-anima medizin medien   –   impressum   –   mediadaten   –   konzeption
      –   datenschutz