Post-ASCO-GU-Update
News zum Prostata- und Blasenkarzinom  

Bis zu 30% der Patienten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) weisen HRR (Homologe-Rekombinations-Reparatur)-Genveränderungen auf. Betroffene haben einen besonders aggressiven Tumor und ein geringeres Langzeitüberleben mit den BRCA1, BRCA2, FANCA, ATM, CDK12,CHEK2, BRIP1, HDAC2 oder PALB2-Genen. Sie profitieren von der PARP-Inhibition mit Niraparib, aber wahrscheinlich haben auch HRR-negative Patienten einen Benefit von Niraparib in der Kombination mit Abirateron, meinte Prof. Jürgen E. Gschwend, München. So konnte in der MAGNITUDE-Studie für die BRCA1/2-Subgruppe eine Reduktion des Risikos für radiologischen Progress oder Tod um 47% gezeigt werden. Zudem wurde eine signifikante Verlängerung des medianen rPFS um 5,7 Monate für Niraparib plus Abirateron/Prednison belegt (16,6 vs. 10,9 Monate mit Abirateron plus Prednison). Die Zeit bis zur Chemotherapie wurde für alle Patienten mit der neuen Kombination um 41% verbessert. Die verlängerte Zeit bis zur PSA-Progression wurde durch sie um 43% optimiert.

Die Gesamtansprechrate hatte sich durch Niraparib plus Abirateron(Zytiga®)/Prednison verdoppelt (28% auf 60%). Eine erste multivariate Interimsanalyse des Gesamtüberlebens (OS) zeigte einen klaren Trend zugunsten der neuen Kombination. Anämie (13,2%) und Thrombocytopenie (2,8%) waren die häufigsten Nebenwirkungen.

Neue Behandlungsmöglichkeiten des Urothelkarzinoms

Dr. med. Eva Hellmis, Duisburg, berichtete zu neuen Behandlungsmöglichkeiten des Urothelkarzinoms. Dabei ist Blasenkrebs die 10.häufigste Krebsart weltweit und es gab 210.000 geschätzte Todesfälle 2020. In Deutschland ist es die 4.häufigste Krebsneuerkrankung des Mannes und an 14. Stelle der Frauen. Nikotinabusus stellt den häufigsten Risikofaktor dar. Das mediane Alter zum Zeitpunkt der Diagnose beträgt 73 Jahre.

Die „alte“ Bacillus Calmette Guerin (BCG)-Immuntherapie für Tumore ist mit erheblichen Toxizitäten (Fieber, Drang-Blase) verbunden und ist auch oft nicht lieferbar (Shortage), so dass sich der Behandlungsbeginn verzögern muss. Seit über 40 Jahren hat sich die Behandlungsart nicht verändert und „macht Urologen nicht glücklich“, so Hellmis wörtlich. Drei Jahre soll sie dauern, aber das halten die wenigsten Patienten durch. So ist ihre Fortsetzung nicht häufig und 40% brechen ab wegen Nebenwirkungen. Dabei führt der Abbruch der BCG-Therapie auch noch zu höheren Rezidivraten. Zusätzlich haben etwa 1/3 der Patienten, welche alle Zyklen an BCG erhalten haben, nicht angesprochen (BCG-Versager).

Goldstandard in der Behandlung des high-risk NMIBC ist die transurethrale Resektion des Blasentumors (TURB), gefolgt von einer intravesikalen Behandlung mit BCG. Diese ist zwar häufig erfolgreich bei der Verhinderung von frühen Tumorrezidiven, aber die meisten Patienten erreichen keine dauerhafte Remission. Bis zu 50% der Patienten erleiden innerhalb von 1 Jahr und 90% innerhalb von 5 Jahren ein Rezidiv.

Etwa 50% von BCG-Versagen erfolgt in den ersten 6 Monaten. Erfolgt kein Ansprechen auf BCG bleibt nur noch die radikale Zystektomie (RC). Die Harnableitung über ein Ersatzsystem hat jedoch extreme, negative Auswirkungen auf die Lebensqualität. Das entspricht also dem worst-case-szenario für den Patienten.

TAR-200 - eine kontrollierte Freisetzung von Gemcitabin

„Dabei ist die Blase für die lokale Verabreichung von Medikamenten so gut geeignet“, sagte Hellmis. Das TARIS-Device (TAR-200) ist ein System zur intravesikalen Verabreichung von Medikamenten, welches mit einem Katheter transurethral platziert wird. „Man nennt es auch Brezel, weil es so aussieht und es kann 3 Wochen in der Blase verbleiben“, erklärte Hellmis. Es enthält sowohl Gemcitabin (225 mg) als auch osmotische Minitabletten (Harnstoff), da Gemcitabin allein nicht die erforderlichen osmotischen Eigenschaften aufweist, um die gewünschte Freisetzungsrate zu erreichen. Es bietet somit eine kontrollierte Freisetzungsrate von Gemcitabin während der Verweildauer in der Blase. „Das Gemcitabin kann auf die erkrankten Urothelzellen wirken und sie zum Absterben bringen“, erklärte Hellmis. Das Taris-Device kann somit eine wirksame lokale Behandlung mit minimaler systemischer Exposition und damit weniger verbundenen unerwünschten Ereignissen sein.

In der Phase-I-Studie war TAR-200 sicher und gut verträglich bei älteren, gebrechlichen Patienten mit MIBC (muskel-invasives Blasenkarzinom), die für eine kurative Therapie nicht geeignet waren oder diese ablehnten. TAR-200 zeigte eine vorläufige Wirksamkeit mit einer ORR von 40% nach 3 Monaten, einem medianen OS von 40% nach 3 Monaten, einem medianen OS von 20,1 Monaten und einer progressionsfreien Rate von 67,7% nach 12 Monaten.

SunRISe-1-Trial

Weil das Blasenkarzinom ein immunogener Tumor ist, kann man zudem noch auf den neuen Checkpoint-Inhibitor Cetrelimab setzen. Das Gemcitabin verhindert die Umgehung des Immunsystems durch „Demaskierung“ des Tumors, zudem wird durch die gesteigerte Antigenpräsentation die T-Zell-Antwort verstärkt. Dabei soll bei intravesikaler Verabreichung des TAR-200 zusätzlich zur systemischen Gabe von Cetrelimab das lokal ausgeschüttete Gemcitabin ergänzend eine Zerstörung der Krebszellen verursachen, was dann durch die Immunantwort, die aus der Aktivierung des PD-1-Signalwegs resultiert, noch verstärkt wird.

Ergebnisse des SunRISe-1-Trials (n=200), der die neue Kombinationstherapie untersuchte, wurden gerade auf dem ASCO-GU präsentiert. Die Patienten hatten ein NMIBC high risk CIS und hatten bereits BCG erhalten, hatten aber daraufhin versagt oder nicht angesprochen. Das TAR-Device wird alle 3 Wochen gewechselt und die Behandlungszeit beträgt 2 Jahre. Cetrelimab 360 mg wurde per infusionem alle 3 Wochen für 18 Monate begleitend gegeben. Es werden dabei drei Kohorten geprüft und aktuell rekrutiert die Studie Patienten aus etwa 165 Studienzentren in 16 Ländern. Im Jahr 2024 soll sie beendet sein.

Bericht: Dr. med. Nana Mosler, Leipzig

Quelle: Digitaler Pipeline-Presseworkshop Post-ASCO-GU-Update „Neues zu patientenindividuellen Therapiestrategien bei uroonkologischen Tumoren“ am 10.März 2022. Veranstalter: Janssen-Cilag GmbH

März 2022



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