Nierenzellkarzinom
Erstlinienbehandlung bei RCC: Erfolgversprechende Kombination mit zwei bekannten Substanzen  

Beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom (RCC) kann die Kombination von Immun-Checkpoint-Inhibitor(IO) Pembrolizumab (Keytruda®) mit Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Lenvatinib (Kisplyx®) signifikant das Progressions- wie auch Mortalitätsrisiko reduzieren. Prof. Jens Bedke, Tübingen, bezeichnet dies als „Paradigmenwechsel“ in der Therapie des RCC. Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der CLEAR-Studie (KEYNOTE-581/Studie 307).

Schlechte Überlebensprognose beim fortgeschrittenen RCC

Das RCC ist sowohl bei Männern als auch Frauen die häufigste Art von Nierenkrebs, tritt jedoch bei Männern doppelt so häufig auf wie bei Frauen. 2020 erkrankten schätzungsweise weltweit mehr als 430.000 Menschen neu an Nierenkrebs, etwa 180.000 starben daran. Nierenzellkarzinome werden meist zufällig entdeckt, wenn z.B. bildgebende Verfahren wegen anderer Baucherkrankungen durchgeführt werden. Ca. 30% der Patienten mit RCC haben bereits bei Diagnosestellung eine lokal fortgeschrittene oder metastasierte Erkrankung, weshalb das Überleben in hohem Maße von Tumorstadium zu diesem Zeitpunkt abhängig ist. Mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von 14% für die metastasierte Erkrankung ist die Prognose nicht sehr günstig.

Zusammen reduzieren zwei längst bewährte Medikationen signifikant die Mortalität

Pembrolizumab ist ein PD-1 (Programmed Cell Death 1 Protein)-Inhibitor, ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der die Wechselwirkung zwischen PD-1 und dessen Liganden PDL-1 und PDL-2 blockiert und so die T-Lymphozyten aktiviert, wodurch sowohl Tumorzellen als auch gesunde Zellen angegriffen werden können. Der Immun-Checkpoint-Inhibitor ist bereits in verschiedenen Indikationen (u.a. Melanome, NSCLC, Nierenzellkarzinom, unbehandelter Urothelkrebs, Ösophaguskarzinom) für zahlreiche Tumorarten zugelassen. Er wird alle 3 Wochen (200 mg) oder alle 6 Wochen (400 mg) als Infusion in eine Vene appliziert.

Lenvatinib (Kisplyx®/Lenvima®) ist ein Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor mit einem spezifischen Inhibitionsprofil von Rezeptortyrosinkinasen (RTK). Er inhibiert selektiv die Kinaseaktivität der Rezeptoren des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) VEGFR1 (FLT1), VEGFR2 (KDR) und VEGFR3 (FLT4) und des Fibroblastenwachstumsfaktors (FGF) FGFR1, 2, 3 und 4, zusätzlich zu anderen RTKs wie den thrombozytären Wachstumsfaktor-Rezeptor PDGFRa (platelet-derived growth factor receptor, PDGFR), KIT und RET, die an angiogenen und onkogenen Signalwegen und an der Tumorproliferation beteiligt sind. Lenvatinib zeichnet sich durch einen einzigartigen, mittels Röntgenkristallographie bestätigten Bindungsmodus (TypV) an VEGFR2 aus und bewirkt laut kinetischen Analysen in präklinischen Modellen eine schnelle und starke Hemmung der Kineaseaktivität. Hauptsächlich wird es zur Behandlung bestimmter Arten von Schilddrüsenkrebs (hepatozelluläres Karzinom, Schilddrüsenneoplasien) und auch bei anderen Krebsarten eingesetzt. Die Hartkapseln gibt es in den Dosierungen 4 und 10 mg.

Verblüffende Ergebnisse der CLEAR-Studie

Die Zulassung der Kombinationstherapie beim fortgeschrittenen RCC basiert auf der Phase-III-Studie CLEAR/KEYNOTE-581/Studie 307. In der CLEAR-Studie wurde Pembrolizumab kombiniert mit Lenvatinib mit Sunitinib verglichen: 1.069 Patienten mit fortgeschrittenem RCC und ungeachtet des PD-L1-Tumor-Expressions-Status wurden randomisiert und hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination untersucht. Sie wurden behandelt entweder mit

* 200 mg Pembrolizumab intravenös alle 3 Wochen bis zu 24 Monate in Kombination mit Lenvatinib oral 20 mg/1Tag (n=355) oder
* Lenvatinib 18 mg 1x/ Tag plus Everolismus 5 mg 1x/Tag (n=357) oder
* Sunitinib 50 mg1x/Tag für 4 Wochen mit anschließender 2-wöchiger Behandlungspause (n=357).


Die Nachbeobachtungszeit betrug 26,5 Monate. Unter der Kombination Pembrolizumab/Lenvatinib reduzierte sich im Vergleich zur Sunitinib-Gruppe das Progressions- und Sterberisiko um 61%, das progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 23,9 Monate versus 9,2 Monate unter Sunitinib. Die Gesamtansprechrate war unter der Kombination mit 71% fast doppelt so hoch wie unter Sunitinib mit 36%.

Prof. Michael Staehler, München, meint: „Die Nebenwirkungen der Therapie mit Pembrolizumab und von Lenvatinib jeweils in Monotherapie sind aus anderen Indikationen bekannt und die Kombination macht es meines Erachtens nicht schwieriger, diesen zu begegnen“. Er plädiert für eine „individualisierte Therapie, nämlich die Dosierung der Kombination für den jeweiligen Patienten individuell zu entscheiden“.

Bericht: Helga Vollmer, M.A., München

Quelle: Virtuelle Launch Presse-Konferenz „Keytruda® (Pembrolizumab) mit Kisplyx® (Lenvatinib): Neue Kombinationstherapie beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom“ von Eisai und MSD am 8.12.2021

Dezember 2021



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