72. DGU-Kongress
Prostata-Screening per Fusionsbiopsie liefert höhere Trefferquote
 

Der Urologe benötigt „die hilfreichen Augen des Radiologen“ und stellt zudem „Anforderungen an den Pathologen“, so der niedergelassene Urologe Dr. Ulrich Köhl (Ansbach). In Hinblick auf die Prostata ist eine frühzeitige und sehr präzise Diagnostik für den Patienten lebenswichtig. Immerhin steht unter den tödlich verlaufenden Erkrankungen das Prostatakarzinom an 3. Stelle. Es ist die geläufigste Krebserkrankung bei Männern mit einer Inzidenz von ca. 60.000 Neuerkrankungen jährlich, die mit der zunehmenden Lebenserwartung ansteigen wird.

Die initiale Messung des PSA-Wertes und die digitale rektale Untersuchung sind zunächst ein Indiz für eine pathologische Veränderung der Prostata. Bei positiven Resultaten wird laut S3-Leitlinie empfohlen, dass sich der Patient einer Biopsie unter transrektaler Ultraschallkontrolle (TRUS) unterzieht. Normalerweise werden dabei unter Ultraschallkontrolle (z.B. RS85 Prestige) ungezielt zehn bis zwölf Stanzen entnommen. Ein „einfacherer Weg“ ist die Fusionsbiopsie (S-FusionTM für Prostata), bei der vom Radiologen vor der Biopsie eine MRT oder Kernspintomographie durchgeführt wird, mit der sich verdächtige Bereiche der Prostata genauer identifizieren lassen. Denn die S-FusionTM ermöglicht eine präzise Zielführung bei Prostatabiopsien, wobei ein auf dem MRT-Datensatz basierendes 3D-Modell zusätzlich eine sichere Navigation unterstützt. Danach sind dann nur noch gezielte 3 bis 5 Stanzproben notwendig.

So belegen die Ergebnisse der multinationalen PRECISION-Studie, dass die Kombination einer MRT-Untersuchung mit anschließender alleiniger, gezielter Fusionsbiopsie präzisere Ergebnisse liefert als die herkömmliche ultraschallgesteuerte Biopsie. An der Studie nahmen 500 Männer teil, denen aufgrund ihres erhöhten PSA-Wertes von ihrem Arzt eine Prostatabiopsie vorgeschlagen worden war. Bei der Hälfte der Männer führte der jeweilige Arzt eine herkömmliche, ultraschallgesteuerte Biopsie mit zehn bis zwölf ungezielt entnommenen Stanzproben durch. Die andere Hälfte erhielt zuerst eine MRT-Untersuchung und anschließend eine Fusionsbiopsie.

In der MRT-Gruppe gab es bei knapp 30 Prozent der Männer einen unauffälligen Befund, sodass die standardmäßig angewandte Biopsie nicht mehr nötig war. In der Vergleichsgruppe ohne MRT hingegen mussten sich alle Männer einer Biopsie unterziehen. Zudem war in der MRT-Gruppe die Trefferquote höher: Bei 38 Prozent wurde ein aggressiver Tumor in der Prostata entdeckt. In der Gruppe ohne MRT per herkömmlicher Biopsie waren es nur 26 Prozent. Die Risikobewertung bei einem Prostatakrebsverdacht per MRT und einer auf deren Ergebnissen basierenden Biopsie ist nach Meinung der Mediziner mit bis zu 90% deutlich präziser als die bislang praktizierte ultraschallgesteuerte Biopsie mit zehn bis zwölf Untersuchungspunkten. Das bedeutet, so Köhl, eine Fokussierung auf signifikante Punkte mit weniger Läsionen.

Helga Vollmer, M. A., München

Quelle: DGU-Satellitensymposium „Ultraschallentwicklungen in der Früherkennung und Diagnostik von Prostatakrebs“ am 25.09.2020,. Veranstalter: Samsung .

30. Oktober 2020

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