Andrologie

Klinefelter-Patienten mit sexueller Dysfunktion
Mit Hormonen allein ist nicht alles zu lösen
 

Bei Klinefelter-Patienten sind sexuelle Funktionsstörungen multifaktoriell. Nur ein Teil steht in direktem Zusammenhang mit der endokrinen Situation. Psychologische Probleme sind bei Patienten mit Erektionsstörungen (ED) weitaus häufiger als bei Betroffenen ohne dieses Symptom.

Studien zur Sexualfunktion bei Klinefelter-Patienten sind relativ dünn gesät. Italienische Andrologen haben untersucht, wie häufig diese Männer sexuelle Probleme haben und welcher Art diese sind.

Was ist bereits bekannt

Testosteron ist kritisch für verschiedene Aspekte der Sexualität: Verlangen, Erregung, Orgasmus und Ejakulation. Studien zur Rolle des Hormons bei sexueller Dysfunktion und der Nutzen einer Testosterontherapie in diesem Zusammenhang sind kaum geprüft. Schlecht dokumentiert ist zudem der Einfluss psychologischer und partnerschaftlicher Aspekte auf die Sexualfunktion dieser Männer.

Teilnehmer und Methoden

62 neu diagnostizierte Klinefelter-Patienten (ohne Mosaikformen) und 60 gesunde Männer im vergleichbaren Alter gingen in die Studie ein. Erhoben wurde neben endokrinen Parametern die psychische Situation in sexueller Hinsicht, ein peniler Doppler-Ultraschall durchgeführt und der International Index of Erectile Function (IIEF) mit 15 Items eingesetzt. Zudem wurden vorzeitige Ejakulation und intravaginaler Latenzzeit bis zur Ejakulation gefragt.

Ergebnisse

Von den 62 prospektiv aufgenommenen Klinefelter-Patienten wiesen 33 einen Hypogonadismus auf und wurden über sechs Monate mit Testosterongel (2%) behandelt. 25 von ihnen schlossen die Studie ab.

Im Vergleich mit den Kontrollen zeigten sich im IIEF-15 niedrigere Scorewerte in den Domänen der sexuellen Appetenz, der Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr und der Zufriedenheit mit der Sexualfunktion. Die Autoren fanden dabei eine Korrelation mit dem Testosteronspiegel. Die Symptome reagierten positiv auf die Gabe von Testosteron.

Es zeigte sich im Vergleich auch eine höhere Prävalenz an Erektions-Problemen (ED), die jedoch nicht mit den Hormonwerten korrelierten – und sich unter Testosterontherapie auch nicht besserten. Vorzeitige oder verspätete Ejakulationen waren nicht häufiger als bei den Kontrollen.

Der Vergleich von Klinefelter-Patienten mit ED ergab eine breitere Palette von psychologischen Auffälligkeiten als bei denjenigen ohne ED.

Fazit

Die Substitution von Testosteron verbessert bei Klinefelter-Patienten die sexuelle Appetenz, die Zufriedenheit mit dem Verkehr und die sexuelle Zufriedenheit insgesamt. Sie hat jedoch keinen Effekt bei Erektionsproblemen. Die Autoren ziehen daraus einen eindeutigen Schluss: Sexuelle Dysfunktionen sind bei diesen Männern multifaktoriell und weniger mit dem Hypogonadismus assoziiert als mit psychologischen Problemen. Ihre Evaluierung und Therapie sollte deshalb in Kooperation mit einem Sexualtherapeuten erfolgen.

Ferlin A, et al. 2018. Endocrine and psychological aspects of sexual dysfunction in Klinefelter patients. Andrology 2018 DOI: 10.1111/andr.12474


 

Oktober  2018

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