Bericht vom DVR-Kongress:

German-Male-Sex-Studie: Die häufigsten Sexualprobleme 45-Jähriger
 

Bei 45-jährigen Männern sind Libidostörungen und eine Ejaculatio praecox mit fünf bzw. sechs Prozent fast gleich häufig. Das ergab die German-Male-Sex(GMS)-Studie mit nahezu 11.000 heterosexuellen Teilnehmern. In drei Postern wurden jetzt Teilergebnisse anlässlich des DVR-Kongresses präsentiert.

Die Daten wurden im Rahmen einer deutschlandweiten Studie zur Erkennung von Prostatakrebs erhoben. Schwerpunkte sind die sexuelle Orientierung (sexuelle Identität, Sexualverhalten und Sexualpräferenz), sexuelle Funktionsstörungen (erektile Dysfunktion [ED], Libido, Ejakulationsstörungen), Selbstbild des Mannes, Sexualität und Lifestyle sowie Masturbation.

Die Probanden wurden in den urologischen Abteilungen der Universitäten in Düsseldorf, Hannover, Heidelberg und München rekrutiert. Zusammen mit einer Kölner Studie (Braun M, et al 2000. Int J Impot Res 12:305–311) ist die GMS-Studie die einzige deutsche Untersuchung, die sich in diesem Umfang mit der Sexualität des Mannes befasst. Eingeschlossen wurden Männer, die keine 5-Reduktasehemmer und keine Antidepressiva einnahmen. Die Leitung liegt bei Prof. Dr. Kathleen Herkommer von der TU München.

Libido:
Eine geringe Libido zählt neben Erektions- und Orgasmusstörungen zu den häufigsten sexuellen Störungen des Mannes. Neben Testosteronmangel gelten auch Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes mellitus als Risikofaktoren. In der bevölkerungsbasierten Stichprobe der GMS-Studie ergab sich eine Prävalenz von 4,7 Prozent – aber kein statistischer Zusammenhang mit Diabetes mellitus. Vielmehr erwiesen sich ein fehlender Partner sowie eine lange bestehende Partnerschaft, keine Kinder und Arbeitslosigkeit als negative Einflussfaktoren. Auch eine niedrige Frequenz von Masturbation und Geschlechtsverkehr korrelierten mit verminderter Libido. Bei den Komorbiditäten fand sich ein Bezug zu benignem Prostatasyndrom (BPS), ED, Ejaculatio praecox und Hypertonie.

Ejaculatio praecox:
Anders als in der Literatur beschrieben, ergab sich kein Zusammenhang mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus mit vorzeitiger Ejakulation. Diese war aber assoziiert mit ED, BPS, Libidostörungen sexuellem Selbstwertgefühl und gefühltem sozialem Druck, sexueller Unzufriedenheit und schlechtem Allgemeinzustand. Die Betroffenen waren körperlich und sexuell weniger aktiv, häufiger in einer festen Partnerschaft, hatten weniger Sexualpartner im Leben und einen geringeren Bildungsstand.

Einfluss des HIV-Status:
ED und vorzeitige Ejakulationen waren bei HIV-positiven Teilnehmern nur tendenziell, aber nicht signifikant häufiger als bei HIV-Negativen. Eine verminderte Libido wurde im Literaturvergleich seltener und in beiden Gruppen gleich häufig erhoben. Das Studiendesign der GMS-Studie sieht eine Nachverfolgung der Teilnehmer nach 15 Jahren vor. Damit wird es möglich, die Daten in Längsschnittstudien auszuwerten. So werden sich auch eventuelle Veränderungen in der Sexualität des Mannes im Verlauf erfassen lassen.


Schroeter L, et al. 2017. 7. DVR-Kongress, Poster-Abstracts. J Reproduktionsmed Endokrinol 14:237-238.


Dr. Renate Leinmüller, Wiesbaden.



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