Ungünstige klinische Folgen bei SARS-CoV-2-Pneumonie-Patienten mit niedrigen Testosteronspiegeln
 

Unterschiedliche Verläufe und Ergebnisse einer Covid-19-Infektion bei Frauen und Männern lassen auf eine potenzielle Rolle des Testosterons schließen. Insbesondere die Wahrscheinlichkeit an der Krankheit zu sterben, ist für Männer dreifach höher als für Frauen. Diesbezüglich wurden Zusammenhänge zwischen Testosteronspiegel und klinischen Ergebnissen einer SARS-CoV-2-Infektion anhand einer Kohorte Patienten ermittelt, die auf die Intensivstation für Atemwegserkrankungen des “Carlo Poma” Hospitals in Mantua eingewiesen worden waren.

Insgesamt wurden 31 männliche, von SARS-CoV-2-Pneumonie betroffene Patienten analysiert. Von diesen Patienten kamen 21 nach Besserung der Atembeschwerden von der Intensiv- zurück auf die Internistische Station. Sechs Männer waren zum Analysenzeitpunkt in stabilem Zustand und verblieben auf der Intensivstation. In vier Fällen verschlechterte sich der Zustand. Sie wurden erneut auf die Intensivstation verlegt. Zwei von ihnen verstarben letztendlich.

Bei den 21, 6 und 4 Männern mit abgestuft gravierendem Verlauf/Ausgang der SARS-CoV-2-Pneumonie bestanden signifikante Unterschiede bezüglich psychiatrischer Krankheiten in der Anamnese und dem Vorherrschen eines schweren Atemnotsyndroms bei der Aufnahme auf die Intensivstation.

Bei den auf die Intensivstation verlegten oder verstorbenen Patienten lagen niedrigere Spiegel an Gesamt- und freiem Testosteron vor als bei den auf die interne Station verlegten oder in stabilem Zustand auf der Intensivstation verbliebenen Patienten.

Sowohl Gesamttestosteron als auch freies Testosteron waren signifikant negativ mit Markern für die Schwere der Krankheit wie der Neutrophilenzahl, dem Laktatdehydrogenase (LDH)-Spiegel und dem Procalcitonin (PCT)-Spiegel korreliert. Hingegen bestand eine positive Korrelation mit der Lymphozytenzahl. Zudem war das Gesamttestosteron auch negativ mit C-reaktivem Protein und Ferritin korreliert. Für freies Testosteron bestand diesbezüglich lediglich ein Trend. Weder Gesamt- noch freies Testosteron waren mit Kalium korreliert.

Für Gesamttestosteron <5 nmol/l, waren PCT, LDH und Ferritin pro nmol/l Testeronabnahme um durchschnittlich 0,18 ng/ml, 72,72 U/l bzw. 232,17 ng/ml, erhöht. Für die Neutrophilen- und Lymphozytenzahl galt das nicht. Es bestand eher ein linearer Zusammenhang mit dem Gesamttestosteron.

Fazit

Bei SARS-CoV-2-infizierten Männern, die auf die Intensivstation kommen, sind niedrige Spiegel des Gesamt- und freien Testosterons zu Baseline mit einer ungünstigen Prognose behaftet.

Rastrelli G, Di Stasi V, Inglese F, et al. 2020. Low testosterone levels predict clinical adverse outcomes in SARS-CoV-2 pneumonia patients. Andrology DOI: 10.1111/andr.12821.


 

Juni  2020

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